Vor etwas mehr als einem Jahr ist Lina für einen neuen Job nach Köln gekommen. Einen Deutschkurs hat sie gleich in den ersten Wochen begonnen – zwei Abende pro Woche, direkt nach der Arbeit. Und doch blieb etwas hängen. „Im Unterricht habe ich alles notiert und verstanden. Aber wenn ich wirklich antworten musste – an der Kasse, im Team-Call, am Telefon mit dem Vermieter –, fehlten mir plötzlich die Worte“, sagt sie.
Lehrkräfte hören diesen Satz ständig. Ein Gruppenkurs vermittelt Vokabeln und Grammatik solide. Was dabei beinahe unvermeidlich knapp wird, ist die Zeit, in der man selbst spricht. Bei fünfzehn bis zwanzig Teilnehmenden bleiben pro Unterrichtsstunde für jede einzelne Person oft nur ein paar Minuten, in denen sie tatsächlich redet.